Der Kontaktexperte

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Kategorie: Wirtschaft

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„Praxisnah“ ist mir nicht praktisch genug!

Speaker sprechen gerne darüber, was man alles tun könnte, wenn man etwas tun würde.

Verkaufstrainer versprechen Praxisnähe per Rollenspiel und Power Point. Sie schmücken sich gerne mit einem kleinen Funkmikrofon und versprechen Ihren TeilnehmerInnen, sie zu Höchstleistungen zu motivieren.Das wird nun schon so lange gebetsmühlenartig wiederholt, dass man es schon fast glauben möchte.

Doch wo der innere Antrieb fehlt, hilft auch kein Motivationstrainer und wo der innere Antrieb vorhanden ist, wird kein Motivationstrainer gebraucht.

Aber heißt „Praxisnah“ im Grund nicht „Praxisfern“? Die Praxis ist immer die Praxis und was keine Praxis ist, kann doch demnach nur der Praxis fern sein. 

Ich meine, dass der Trainer einer Fußballmannschaft, welcher noch kurz vorm Spiel in der Kabine praxisnahe Tipps gibt, aber beim Anpfiff das Stadion verlässt, eher „praxisfern“ agiert.

Der Schreinermeister hingegen, der zunächst wichtige grundlegende Tipps und Erfahrungen aus seiner langjährigen Handwerkspraxis darlegt ist ein echter Praktiker. Er macht es seinem Lehrling sogleich vor, wie man einen Hobel führt und elegant über das zu bearbeitende Holz gleiten lässt.

„Praxisnah“ wird so ganz praktisch als unbrauchbare Worthülse enttarnt und das Funkmikrofon so überflüssig wie Power Point.

Mit „Kundennähe“ verhält es sich genauso, denn wer seinen Kunden nicht nah ist, der ist ihnen zwangsläufig fern. Nicht selten sind diejenigen, die lang und ausgiebig über „Kundennähe“ philosophieren oft auch die, die noch nie einen Kunden persönlich gesehen oder gehört haben.

Die Herausforderungen der Digitalisierung werden nicht mit flotten Sprüchen und Pseudo-Visionen aus der  Kristallkugel per Funkmikrofon auf einer Bühne gemeistert.

Es geht stets um den optimalen Kundennutzen. Um diesen immer wieder zu erschaffen, braucht es geduldige Tüftler die miteinander statt gegeneinander arbeiten. Ein solches Klima zu ermöglichen, ist Aufgabe von Führung.

Krawattenträger sind die wahren Rebellen!

Seit 1. Juni 2018 muss in jeder bayrischen Behörde ein Kreuz hängen. Markus Söder ließ sich medienwirksam, ein Kreuz an die Wand nagelnd, ablichten und faselte etwas von Identität in die Mikrofone von Reportern. Wen, außer den bayrischen Devotionalienhändlern, nutzt eine solche Aktion?

Cui bono?

Am 1. Mai 2015 trat das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen (FüPoG) in Kraft. Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, gilt eine Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in etwa 100 großen Unternehmen.

Cui bono, denn Frauen in anderen Positionen verdienen bei exakt gleicher Tätigkeit durchschnittlich sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Mittlerweile gibt es ein ganze Reihe von Vorständen und Geschäftsführern, deren bleibendes Vermächtnis es sein wird, das “Du” und die “Krawattenfreiheit” im Unternehmen eingeführt zu haben. Was für eine grandiose Leistung?

Währenddessen wurden zahllose Bankfilialen geschlossen, oder die Auflagenentwicklung der Zeitung ging auf Sinkflug, immer mehr wichtige Schlüsselpositionen konnten im Unternehmen nicht mehr mit qualifizierten MitarbeiterInnen besetzt werden. Seit Jahren werden wichtige Investitionen vertagt. Statt ein modernes Customer-Relationship-Management- Systems zu nutzen, werden wichtige Kundendaten per Excell provisorisch verwaltet. Hauptsache wir tun dies per Du und ohne Krawatte.

Cui bono?

Immer häufiger wird Politik wird durch Symbol-Politik und echte Führung durch Symbol-Führung ersetzt. Doch Management by Strohfeuer nutzt immer nur dem, der es entzündet. So wird mancherorts das Tragen einer schicken Krawatte zu Hemd und Anzug zum Zeichen des Widerstandes wahrer Rebellen.

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So schafft sich der deutsche Einzelhandel selbst ab

Der ICE fährt langsam in den Hauptbahnhof Aachen ein und ich bin am Ziel meiner Reise. Endlich öffnen sich die Türen und als versierter Bahnfahrer bugsiere ich meinen Koffer aus dem Zug. Doch das geht diesmal schneller als gedacht. Mit einem lauten Krachen landet dieser vor den Füßen der wartenden Fahrgäste auf dem Bahnsteig. Ich halte nur noch erschrocken den Griff in meinen Händen.

Nach vielen tausend Kilometern gemeinsamer Reisen, hatte nun mein treuer Gefährte seinen Dienst quittiert.

Doch das Leben muss weitergehen und der Koffer muss rollen. Am nächsten Tag wurde mir die Galeria Kaufhof in Aachen als erste Adresse für den Kauf eines neuen Koffers empfohlen. Also nix wie hin. Auf in die lebendige Innenstadt. Diesmal nicht auf der Jagd nach den besten Printen oder leckersten Schokoladenmöppchen, sondern zielstrebig ins Kaufhaus zum Kofferkauf.

Dort angekommen irrte ich einigermaßen orientierungslos umher und wurde lässig routiniert vom Kaufhauspersonal ignoriert. Koffer von Rimowa waren nur in Farben vorrätig, welche mir umgehend Kopf- und Augenschmerz bereiteten. Trotzdem rollte ich demonstrativ zwei, drei dieser „Luxus-Koffer“ interessiert hin und her und betrachtete ausgiebig deren Innenleben.

Doch meine Strategie, den Kauf eines teuren Koffers vorzutäuschen lief ins Leere. Ich wurde weiterhin professionell ignoriert.

Endlich entdeckte ich den Bruder meines treuen Gefährten. Ein megaleichter, silbergrauer Samsonite Spinner mit guten Rollen. Da ich noch einen kompletten Satz Ersatzrollen für genau einen solchen Koffer zu Hause im Keller liegen hatte, war die Kaufentscheidung schnell getroffen. Ein kurzer Blick auf das Preisschild, ein Schock und dann im Bewusstsein mit diesem Kauf etwas für den Einzelhandel und belebte Innenstädte zu tun, zur Kasse.

Die war sogar besetzt, dort konnte der mündige Kunde, welcher sich selbständig und erfolgreich durch das Warenangebot gearbeitet hatte, sein Geld abliefern.

Blitzgedanke – Barcoo-App – Barcode scannen und Preischeck machen.  Schock: Kaufpreis bei Galeria Kaufhof 475,- Euro, Kaufpreis bei Amazon Prime 250,- Euro. 100 % der gleich Koffer. Die gleiche Größe, das gleiche Modell, die gleiche Produktnummer.

Einmal aufs iPhone tippen, direkt zu Amazon weiterleiten und mit „1-Click-Kauf“ den Erwerb des neuen Koffers erfolgreich abschließen.

Zur Feier des Tages gab es die doppelte Portion weicher Schokoladenmöppchen und es war mir eine Freude für 220 gesparte Euro ein letztes Mal die Heimreise mit meinem grifflosen alten Gefährten anzutreten.

Nicht Amazon ist Schuld am Untergang des deutschen Einzelhandels, denn der schafft sich jammernd und uninnovativ selbst ab. Sollte das jemals zu menschenleeren Innenstädten führen, werden sich kreative Unternehmen mit frischen Ideen und neuem Engagement finden, um auch dieses Problem zu lösen.

 

 

 

 

 

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