Es ist noch gar nicht lange her, da mussten die BewerberInnen vor den Arbeitgebern, „Personalern“ und sonstigen Recruitern demütig niederknien, um die Gnade einer Einladung zum Bewerbungsgespräch zu erfahren.

In besonders strukturschwachen Regionen wurden Einladungen zum Bewerbungsgespräch wie Audienzen beim Papst gehandelt.

Bewerbungsunterlagen wurden in den Personalabteilungen der Unternehmen mitunter wie Altpapier behandelt und entsorgt. Für die BewerberInnen war es noch nicht einmal selbstverständlich, im Fall einer Ablehnung, wenigstens ihre Unterlagen zurückzubekommen.

Obwohl sich das Blatt zugunsten der MitarbeiterInnen und BewerberInnen längst gedreht hat, kann man noch heute überall deutliche Spuren der altherrschaftlichen Gutsherrenart finden. Zum Beispiel in Stellenanzeigen.       Egal ob klassisch in der Printausgabe einer Tageszeitung oder in den digitalen Anzeigengräbern bei Stepstone, Monster & Co.

Hat man eine dieser Stellenanzeigen gesehen, hat man sie alle gesehen.

Der Einstieg erfolgt stets über eine langatmige Selbstbeweihräucherung a la    „Wir, die X-Y-Z AG, sind ein erfolgreiches und dynamisch wachsendes Unternehmen. Wir sind Marktführer in der Produktion von…                                                            Wir sind die Benchmark im internationalen Wettbewerb.” 

Gutsherren klopfen sich gerne selbst auf die Schultern und offerieren nicht nur die gut bezahlten Jobs aus gönnerhafter Pose heraus.

Natürlich wird die Anzeige mit einem hippen Stockfoto hipper Menschen garniert. Trotzdem quillt aus jeder Pore die Botschaft: 

Du bist und bleibst NUR Bewerber!

Der Markt funktioniert in vielen Bereichen. Angebot und Nachfrage wirken nun zugunsten der BewerberInnen.

Deshalb ist es egal wo die Gutsherren ihre Offerten von oben aufs Bewerbervolk herab rieseln lassen. Das können sie gerne auch ganz modern in den (a)sozialen Netzwerken tun, die “Likes” dafür kommen ohnehin nur aus den eigenen Reihen und die Nachfrage von wirklich guten KandidatInnen bleibt auch dort mehr als dürftig. 

Coole Leute wissen, dass Arbeitszeit auch Lebenszeit ist.

Sie haben es selbst noch nicht gemerkt, aber längst sind die Gutsherren von gestern die Bettler von heute.                                                                                         Längst wurde der Arbeitnehmer zum Arbeitgeber, der seine Arbeitskraft dort gibt, wo Zusammenarbeit zusammen arbeiten heißt und zwar auf Augenhöhe.

Wo verlieren gemeinsam verlieren und gewinnen auch gemeinsam gewinnen bedeudet.

In schlechten Zeiten einen wackeligen Job zu haben und wenn es gut läuft nicht an den Gewinnen beteiligt zu sein, ist nicht nur nicht fair sondern gehört auch ein für allemal ins “Gutsherrenmuseum”.

Wer es schafft, sich von der Gutsherrenhaltung und damit auch von Gutsherren-Stellenanzeigen zu verabschieden, hat beste Chancen erstklassige MitarbeiterInnen für sein Unternehmen zu gewinnen.

Ich erlebe das in meinen Projekten immer wieder auf beeindruckende Weise.









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