Der Kontaktexperte

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Schlagwort: Freiheit

Einigkeit & Recht & Feigheit

Der 27.12.1990 war ein Wintertag garniert mit echtem Schmuddelwetter. Während sich die Schneeregenschauer abwechselten stand ich in Rudow (Berlin-West) in einer langen Schlange, um das Begrüßungsgeld für DDR-Bürger entgegenzunehmen.

Endlich hielt ich den begehrten blauen Hundertmarkschein in meinen Händen. In diesem Glücksmoment schien sogar der darauf so grimmig dreinschauende Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauss freundlich zu lächeln. 

Auf Basis der Empfehlung eines guten Freundes steuerte ich nun einen Schallplatten-Laden in Berlin Kreuzberg an und erwarb dort für 12 D-Mark das damals aktuelle Album von Tears for Fears „The Seeds of Love“. Hinzu kam beim Einkauf in einem nahegelegenen Antiquariat für 6 D-Mark eine gebrauchte Biografie von Willy Brandt, welche ich in den darauffolgenden Tagen mit großer Begeisterung lesend verschlang.

Dass ich ganze 82 D-Mark, also den Löwenanteil des Begrüßungsgeldes sparte, war sicher nicht im Sinne dieses Konjunkturprogramms für den westdeutschen Einzelhandel. Zum Glück für die Bananen- und Unterhaltungselektronik-Händler fiel dabei meine Wenigkeit nicht ins Gewicht. Einhundert D-Mark Begrüßungsgeld machten über Nacht aus gestählten sozialistischen Persönlichkeiten komplette Konsumidioten. Die Konsum- und Wegwerfgesellschaft hatte sie, wie es ein Dealer mit den Junkies tut, erfolgreich angefüttert.

Mit der Währungs- Wirtschafts- und Sozialunion brachen am 1. Juli 1990 die letzten Dämme des in der DDR angestauten Konsumfrusts. Nachdem alle Möglichkeiten des „Eins-Zu-Eins-Umtauschs“ in virtuoser Weise ausgereizt waren, konnte nun endlich auch in gebrauchte und neue „West-Autos“ investiert werden. Der alte DDR-Farbfernseher wich der Marke Grundig und die gute REMA Stereo-Anlage wurde durch eine von Schneider ersetzt. Dass diese Kaufentscheidungen Arbeitsplätze im Unterallgäu sowie in Franken sicherten, aber die in Stassfurt und Stollberg im Erzgebirge gefährdeten, war dabei völlig uninteressant.

Es war der neue Zeitgeist: Zuerst komm ich!

Als irgendwann der eigene Job dran glauben musste, war das Gejammer groß. Sicher hätte die Interessenlage der westdeutschen Wirtschaft mit Hilfe der Treuhand auch bei klügerem Konsumverhalten so manches sanierungsfähige Ost-Unternehmen hinweggefegt. Aber vielleicht wäre es nicht ganz so einfach gewesen. Bei allem verständlichen „Ossi-Konsum-Nachholebedarf“, macht es mich heute, 29 Jahre später, immer noch traurig und fassungslos, wie schnell wir Freiheit in Konsumabhängigkeit tauschten.

Wir standen 1990 an einer historischen Kreuzung und der Weg in die Freiheit lag zum greifen nah offen vor uns. Stattdessen entschieden wir uns für das neue Auto und den Zwang ab sofort dafür Monat für Monat fällige Raten zu leisten. Wir entschieden uns für das neue moderne Haus und dafür, 30 Jahre lang eine Hypothek abzuzahlen. Ausgaben und Ratenzahlungen für allerlei Wohlstandsfirlefanz, immer in der Annahme, dass uns blühende Schlaraffenlandschaften und ewiges Wachstum erwarteten.

Im Arbeiter- und Bauernstaat war im Betrieb kuschen vorm Parteisekretär und der Allmacht der Stasi angesagt. Wer nun Raten abzustottern hatte, kuschte ab sofort ganz marktwirtschaftlich vor allem und jedem, der seinem Job gefährlich werden konnte. Das war das ganze Gegenteil von Freiheit.

Natürlich suchten 1990 die Menschen der ehemaligen DDR Orientierung, Rat und Inspiration bei ihren Landsleuten aus der alten Bonner Republik. Dabei bemerkten wir leider zu spät, dass diese schon längst genau in der Falle steckten, in welche wir gerade tappten. Wir waren den Westdeutschen an Erfahrung im System und an Kapital unterlegen. Leider war uns nicht bewusst, über welchen gigantischen Vorteil wir verfügten:

Wir waren schuldenfrei!

Im Rückblick betrachtet müssen wir uns fragen: waren wir zu gierig oder zu feige einfach zu sagen, dass wir uns die Meinungsfreiheit mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele nehmen, aber auf sinnlosen Konsumwahn gerne verzichten? Waren wir zu feige die neu gewonnene Freiheit grenzenlos zu reisen grenzenlos zu nutzen, aber auf die „Fünf-Sterne-All-Inclusive-Pauschalreise“ auf Kredit zu verzichten? Doch diesen, unseren größten Trumpf verspielten wir wie im Rausch leichtfertig, naiv und unbedarft.

Heute erlebe ich zwischen Nord- und Bodensee, zwischen Aachen und Frankfurt/Oder Menschen, die sich fremdbestimmt und ferngesteuert fühlen. Die in einem Job gefangen sind, der ihnen keine Erfüllung bietet oder sie sogar ausbrennt. Von dem sie sich aber nicht lösen können, weil der Zwang ein Minimum an Euros  Monat für Monat irgendwie „einzuspielen“ längst viel zu erdrückend ist. „Je mehr Dinge wir haben, umso mehr haben uns die Dinge.“ las ich einst bei Reinhardt K. Sprenger. „Finanzieller Fehlstart ins Leben“ titelte Spiegel Online im März 2019 und berichtete, dass jeder siebte unter 30-Jährige hoffnungslos überschuldet ist. Frei nach dem Motto: tausche Freiheit gegen Smartphone, Spielekonsole, Flachbildschirm und Tablet.

29 Jahre Deutsche Einheit und 30 Jahre nachdem die friedliche Revolution ganz maßgeblich die Mauer zum Einsturz brachte, stellt sich die Frage: 

Was haben wir aus dieser Chance gemacht?

Neben der Konsumfalle verführen uns mittlerweile digitale Dienste, welche uns vorgaukeln unser Leben smarter zu machen, dazu den verbliebenen Rest unserer Privatsphäre und Freiheit aufzugeben. Man redet uns ein, dass es viel zu mühselig und außerdem out sei im Restaurant mit Bargeld zu bezahlen. Der Abhördienst „Alexa“ könne smarter, als wir es einst konnten, das Licht und unseren Lieblingsradiosender einschalten.

30 Jahre nachdem die Stasi so friedlich und wirkungsvoll zum Teufel gejagt wurde und mutige Bürger die Aktenberge für eine kluge Aufarbeitung sicherten, statten wir völlig bedenkenlos freiwillig unsere Wohnungen und Häuser mit „High-Tech-Abhörgeräten“ aus.

Mit der Frage „Was ist uns wirklich wichtig?“

wünsche ich allen Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern und Lesern meines Blogs einen sinnreichen Tag der Deutschen Einheit 2019.

Ossi und Wessi

Der westdeutsche Demokratie-Experte & der braune Ossi

Menschen die nicht auf dem ersten Blick als echte Germanen zu erkennen sind müssen sich in Deutschland immer wieder aufs Neue erklären:

„Wo kommen Sie eigentlich her?“ 

„Seit wann sind Sie in Deutschland“ 

Manchmal erntet der hier geborene und in Berlin aufgewachsene Türke ein gut gemeintes Lob von oben herab: „Sie können aber schon gut Deutsch.“

Mein Malus ist nicht schwarzes Haar oder dunkle Haut, sondern mein Sächsischer Dialekt. Dieser stempelt mich klar zum Ostdeutschen und das wiederum automatisch zum demokratiefernen, in der kommunistischen Diktatur sozialisierten Verweigerer westlicher Werte.

Wenn ich vor 2018 auf die Frage „Von wo aus dem Osten kommen Sie?“ antwortete: „Aus der Nähe von Chemnitz.“ erntete ich ein Achselzucken, da bei vielen Menschen aus dem goldenen Westen, dieser in Dunkeldeutschland liegende Ort mit fast 250.000 Einwohnern, gänzlich unbekannt war.

Als Ostdeutscher muss ich mich nun seit 2015 gegenüber gewissen demokratischen Übermenschen aus den gebrauchten Bundesländern verstärkt erklären, kein AfD-Wähler oder schlimmer noch bekennender Nazi zu sein. Als Sachse muss ich dies mit besonderer Inbrunst und Überzeugungskraft tun, um bei den demokratischen Moralwächtern aus dem Westen, noch als demokratietauglich eingestuft zu werden. 

Als in der Nähe von Chemnitz wohnender Sachse, habe ich jedoch seit den Ereignissen vom Sommer 2018 keine Chance mehr, eine demokratische Gesinnung durch westdeutsche Demokratie-Inhaber attestiert zu bekommen. Für diese selbst ernannten Demokratie-Wächter steht seither unumstößlich fest: Ostdeutsche sind Nazis. 

Sich selbst feiert er als Inhaber der ultimativen demokratischen Wahrheit, denn wer auf der RICHTIGEN Seite des geteilten Deutschlands mit Dr. Oetker Pudding, Milka Schokolade und der Sendung mit der Maus aufwuchs hat das RICHTIGE und PERFEKTE Demokratieverständnis bereits in frühester Kindheit mit der Müller Milch aufgesogen. Alles Müller oder was?

Ein „nickelbebrillter“ Demokratieexperte aus den gebrauchten Bundesländern schlug mir kürzlich die Wahlergebnisse der AfD in den neuen Bundesländern um die Ohren. Diese seien doch Beweis genug dafür, dass bei den Ossis in Sachen Demokratieverständnis alles zu spät sei. Und so ein waschechter Experte mit intellektuellem Hintergrund hat auch sofort eine schlüssige Erklärung zur Hand:

Die Sozialisierung in der DDR!

Der westdeutsche Demokratie-Inhaber hat keinen Tag in der DDR gelebt, hat sich offensichtlich keine Sekunde mit dem System und dem Leben der Menschen in diesem Unrechtsstaat beschäftigt und urteilt mit der Oberflächlichkeit des Wohlstandsgermanen zielsicher an der Sache vorbei. Das ist auch sehr verständlich, denn so ist es für seine „Besser-Wessi-Seele“ deutlich bequemer und vor allem einfacher. Einfache Gemüter brauchen einfache Erklärungen.

Ich lebe seit 1990 ein selbstbestimmtes und freies Leben als Unternehmer, kenne jeden Winkel dieses Landes und habe überall und völlig unabhängig von Himmelsrichtungen ganz wunderbare, kluge, reflektierte, freundliche und offene Menschen kennengelernt. Viele wurden zu langjährigen Geschäftspartnern und Freunden. Dieses Glück habe ich mir hart erarbeitet und mit eisernem Durchhaltevermögen erkämpft. 1990 und die folgenden Jahre setzte der arrogante Besser-Wessi den sächsischen Dialekt mit Dummheit oder mindestens mit Einfältigkeit gleich. Heute gilt der Sachse per se als braun und rechts.

Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Extremisten, ob rot oder braun, müssen mit allen zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln bekämpft werden. Kommunistischen und faschistischen Menschenfeinden darf keine handbreit unseres wunderbaren Heimatlandes überlassen werden.

Doch für die überheblichen westgermanischen Demokratie-Experten gilt: Beschäftigt euch mit den Menschen im Osten eurer Heimat. Schaut euch genau an, wie oft sie nach 1990 von Arbeitgebern, Vermietern, Richtern, Anwälten, Journalisten, Politikern, Beamten und Blendern aus den gebrauchten Bundesländern nach Strich und Faden beschissen und belogen wurden. Lasst Euch berichten wie oft die Menschen in den neuen Bundesländern von Halunken aus den gebrauchten Bundesländern mit westdeutscher Arroganz von oben herab wie Idioten behandelt wurden.

Wenn ihr euch nur ein klein wenig Mühe gebt und eure arrogante Oberflächlichkeit als ultimative Demokratie-Inhaber gegen wahrhaftes Interesse tauscht, dann werdet ihr ganz schnell verstehen, dass nicht die Sozialisierung in der DDR zu zweistelligen Wahlergebnissen der AfD führte, sondern westdeutsche Lügen und Arroganz, Überheblichkeit, unzählige gebrochene Versprechen, zahllose Ungerechtigkeiten und euer eigenes DemokratieUNverständnis.

Wenn der westdeutsche Demokratieexperte die Wahlergebnisse der AfD als Beweis für die Demokratieunfähigkeit des Ostdeutschen heranzieht, führt er sich selbst ad absurdum, denn mag es uns gefallen oder nicht, aber die AfD ist eine demokratisch legitimierte Partei. Wer die Wähler dieser Partei pauschal, plump und arrogant von oben herab als Feinde der Demokratie oder gar Nazis beschimpft, erweist unserer demokratischen Grundordnung einen Bärendienst und outet sich selbst als „Demokratie-Problemfall“.

Danke Bully!

Ich komme gerade aus dem Kino, und dieses verwandelte sich heute Abend urplötzlich in eine Zeitmaschine. Diese riss mich mit sich zurück, weit zurück in die graue, triste, traurige, sozialistische DDR-Zeit.

Eine Zeit zwischen guten Freunden, sorglosen Kindertagen, Bevormundung, Bespitzelung, Demütigung, Misstrauen und Angst. Kurzen Momenten von Mut und Hoffnung und tiefen Tälern aus Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht.

Wer es wagte das herrschende System nur leise, ganz leise in Frage zu stellen, bekam dessen Allmacht in ganzer Härte und Gnadenlosigkeit zu spüren. Im Bruchteil einer Sekunde wurde klar, wie klein, machtlos und unbedeutend man war. Die graue, hörige, ferngesteuerte Masse setzte sich bei Bedarf auf Gleichschritt geschaltet in Gang und walzte jeden Keim von Freiheit und gesundem Menschenverstand tausendfach nieder.

Perfekte Diktaturen funktionieren am besten mit Menschen, die sich gerne führen und fernsteuern lassen. Diktaturen sind perfekt darin, der Masse den gesunden Menschenverstand abzutrainieren, Herz und Verstand zu rauben.

Und wie aus dem Nichts tauchen dann diese Menschen auf, die sich mit einem mühevoll selbstgenähten Ballon in die Lüfte erheben und allen Widrigkeiten zum Trotz, den Weg in die Freiheit finden.

Danke Bully Herbig! Danke für dieses Statement. Danke für diesen gelungenen Film. Nie wieder Sozialismus! Nie wieder Diktatur!

 

Goodbye Facebook & Co.!

Mein theoretischer Wohnort gemäß Meldebehörde ist Berlin. Praktisch bin ich permanent zwischen Rügen und Bodensee in Deutschland unterwegs und in meinen Projekten im Einsatz. Seit ich aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen von „Vielflieger“ auf „Extrembahnfahrer“ umgesattelt habe gehören auch ICE und alle verfügbaren Bahn-Lounges zu meinen „Wohn- und Arbeitsplätzen“. Was mich antreibt, was mich bewegt, wofür ich mich engagiere, was ich mag und was mich auf die Palme bringt, erzähle ich in Wort und Bild auf diesem Blog. Ich lade Dich ein, mich zu begleiten und mir, wenn gewünscht oder vielleicht sogar nötig, Deine Meinung mitzuteilen. Meinung heißt für mich ganz klar, nicht wie auf Facebook & Co. eben mal schnell gefühlte Wahrheiten „hinzurotzen“, sondern sich mit einer Sache ernsthaft und umfassend zu beschäftigen, Daten und Fakten abzuwägen und sich dann zu äußern. Auf MEINEM Blog soll Meinungsfreiheit gelebt, aber nicht mit Narrenfreiheit verwechselt werden.

Problempflege

Der Wohlstandsmensch neigt dazu Probleme zu erfinden und auch zu pflegen.
Frei nach dem Motto: Geh mir weg mit deiner Lösung, sie wäre der Tod meines Problems. Sie lieben ihr Unglück und fühlen sich in der Opferrolle pudelwohl.
Andere Menschen packen selbst bedrohliche Probleme an und lösen diese. Oftmals auf pragmatische und unspektakuläre Art und Weise, ohne es an die große Glocke zu hängen. Diese Macher und Problemlöser zählen zu den glücklichen Menschen, die selbstbestimmt das Steuer ihres Lebens fest in ihren Händen halten.

 

Freiheit = Verantwortung = Freiheit

Mit der Freiheit, sich ein Reiseziel für den nächsten Urlaub auszusuchen, kommen viele Leute klar. Mit der Freiheit sein eigenes Leben selbstbestimmt zu gestalten und sich frei zu entfalten, tun sich viele Menschen schwer. Wer seine eigenen Fehler selbst ausbadet, darf auch seine selbst erkämpften Erfolge feiern. Freiheit ist anstrengend. Freiheit heißt selbstbestimmt zu leben. Mit allen Konsequenzen.

 

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