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Schlagwort: Nachhaltigkeit

Digitales Harakiri

Die 1200 Kilometer südlich der japanischen Hauptstadt im Pazifik gelegene vulkanische Insel Iwojima war schon immer ein unwirtlicher Ort fernab des Weltgeschehens. Doch das änderte sich 1943 auf dramatische Weise, als die japanischen Streitkräfte der 109. Heeres-Division und Soldaten der Kaiserlichen Japanischen Marine auf Iwojima unter dem Oberbefehl von Generalleutnant Tadamichi Kuribayashi, erbitterten, blutigen Widerstand gegen die vorrückenden US-amerikanischen Truppen leisteten.

Der Blutzoll war extrem hoch. Jeder dritte der im Pazifischen Krieg gefallenen Marines starb auf dieser Insel, fast 7000. Die Zahl der japanischen Gefallenen war dreimal so hoch. Der Legende nach wählte Generalleutnant Kuribavashi den ritualisierten männlichen Suizid Seppuku.

Von dieser Art des Suizids gab es in Japan eine ganze Reihe gruseliger Varianten, wie zum Beispiel Kappuku („Aufschneiden des Bauchs“), Tofuku („Schlachten des Bauchs“), Isame Fuku  (dt. etwa „Suizid aus Protest gegen eine Entscheidung“), Junshi („in den Tod folgen“) bei Gefolgsleuten, die ihrem Herren in den Tod folgten. Die Kamikaze-Spezialangriffstruppe verstanden sich auch im Bushidō-Kodex der japanischen Kultur, Die jungen Piloten sahen es als eine Schande an ihrer Ehre an, vom Feinde gefangen zu werden, und zogen den Tod der Gefangenschaft vor.

Diese rituellen Selbstmorde blieben uns Deutschen bisher eher auf rätselhaft gruslige und exotische Art und Weise fremd. Doch das scheint sich nun im Zuge der Digitalisierung zu ändern. Vor allem Zeitungsverlage, Journalisten, Redakteure und sogar Verleger entdecken zunehmend die Lust am rituellen Suizid. Männer und Frauen deren Schwert das Wort ist, schlachten in einer bisher unbekannten Lust am Selbstmord ausgerechnet das Produkt ab, mit denen sie den absoluten Löwenanteil ihrer Einnahmen generieren:

die klassisch gedruckte Tageszeitung.

Mit “Print ist tot!” rammen sie sich das Schwert in den eigenen Bauch, um dieses mit “In ein paar Jahren gibt es keine gedruckten Zeitungen mehr” qualvoll in der Wunde zu drehen. Der Profi-Samurai setzt beim Harakiri seinem Leben ein Ende indem er seinen Kopf nach vorne senkt und damit seinem Sekundanten das Signal gibt ihm den Kopf abzuschlagen, um so die Qualen schnell zu beenden.

In der Zeitungswelt ist das der Verkauf von Print-Titeln. DuMont liefert gerade mit dem Verkauf des Berliner Verlags (Berliner Zeitung und Berliner Kurier) ein aktuelles Beispiel für die neue Lust am Print-Suizid. Bereits Anfang 2019 hatte DuMont erklärt, sich von allen Zeitungen trennen zu wollen, weil diese keine Zukunft hätten.

Also Kopf ab!

Die Zeitungsleute ähneln dabei weniger den stolzen Samurai, dafür aber umso mehr den Lemmingen, welche sich von der Klippe in den sicheren Tod stürzen. Bei den Lemmingen handelt es sich jedoch nur um eine nicht zutreffende Legende, bei den Zeitungsmachern um bittere Realität, wie man am Beispiel von DuMont gut erkennen kann. Wer auch nur noch ein gutes Haar an der gedruckten Zeitung läßt, muss ein „Fortschrittsverweigerer“ und „Ewig-Gestriger“ sein. Seit die Erlöse aus dem Anzeigengeschäft mehr und mehr zusammenschrumpften, ist das Abo-Geschäft mit der klassischen gedruckten Tageszeitung die tragende Säule der Zeitungsverlage. Wenn also ein Verlagsmitarbeiter, egal in welcher Position “Print ist Tod”äußert, dann ist das nicht nur Harakiri, sondern auch noch völliger Unsinn auf Basis purer Vermutungen. “Die Zukunft liegt in digitalen Produkten.” mag in anderen Bereichen und Branchen durchaus zutreffen, im Bezug auf die Tageszeitung entspricht eine solche Aussage einfach nicht der Realität und erst recht nicht der Erwartungshaltung der Kunden.

Stellen Sie sich einen Besuch in ihrem Lieblingsrestaurant vor, bei dem Sie der Inhaber mit Handschlag begrüßt, die Speisekarte überreicht und ihnen dabei zuflüstert: “Ich muss Sie warnen, wir haben einen Social-Media-Experten als Koch eingestellt und er kann alles, außer kochen.”

Vor 15 Jahren habe ich mein erstes Projekt bei einem Zeitungsverlag durchgeführt, seitdem sind zahllose Trainings und Projekte in der Verlagswelt zwischen Nord- und Bodensee dazugekommen. Es reicht mir nicht, eine Keynote per Power Point abzuspulen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass allein durch reden keine Entwicklungen vorangebracht und keine Werte geschaffen werden. Deshalb finden 90 % meiner Aktivitäten bei Verlagen live am Kunden, am Leser, am Abonnenten statt. Also an vorderster Abofront, dort wo Redakteure und andere Entscheidungsträger mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nie mit ihren Kunden gesprochen haben.

Was nicht nur sehr schade, sondern auch fahrlässig ist, denn Kunden haben keinen Zutritt zu den Meetings in denen man fernab der Realität, bei Kaffee und Bahlsen-Keksen über Digitalisierung, Disruption, Urban-Pricing, Social-Selling und ähnlichem Modekram philosophiert. Wer direkt und persönlich mit den Menschen in Deutschland zum Thema „Zeitung lesen“ spricht, erfährt dabei, dass ca. 85 – 90 % die klassische gedruckte Variante auf  Papier deutlich bevorzugen.

Nur ca. 10 % wollen auf Tablet, Smartphone & Co. lesen.

Die klassischen Leser verfügen ebenfalls über technische Vollausstattungen und sind keine pauschalen „Technik-Verweigerer“, liefern jedoch viele schlüssige Argumente weshalb sie ihre Zeitung auch weiterhin bevorzugt auf Papier lesen wollen. Eines davon: “Ich starre schon den ganzen Tag im Büro auf einen Bildschirm, dass will ich beim Lesen meiner geliebten Tageszeitung nicht auch noch tun.” Die „Digital-Maßnahmen“ und die Gewichtung zwischen digitalen Aktivitäten und klassischen Print-Aktivitäten laufen in vielen Verlagen Lichtjahre entfernt an diesem Bedarf und an den Wünschen der Kunden vorbei.

Wer nicht hinhört, was seine Kunden wollen, bekommt Probleme oder hat sie schon. Wer als Gastwirt seinem Gast ungefragt ein Schnitzel serviert, muss sich nicht wundern, dass der Vegetarier das Restaurant unzufrieden verlässt und eine entsprechende Bewertung bei TripAdvisor hinterlässt.

Doch wer hat den Mut und das Wissen von der Basis aus dem Strom der Lemminge auszusteigen? Nicht per digitalem Harakiri den Ehrentod zu sterben? Wer hat den Mut wie an der Börse antizyklisch zu handeln und in die klassische gedruckte Tageszeitung zu investieren? Wer hat den Mut PRINT als extrem zeitgemäß zu vermarkten und zu verkaufen?

Gedruckte Tageszeitungen sind wichtiger und zeitgemäßer denn je.

In der digitalen Welt werden fast nur noch die Überschriften überflogen, um sogleich per Kommentarfunktion bei wenig Ahnung viel Meinung abzusondern. Der Leser der klassischen Zeitung hingegen, genießt bei einer guten Tasse Kaffee oder Tee ungestört den gesamten Artikel. Er ahnt zu seinem Glück nicht, welch Abgründe sich in den Kommentarspalten der digitalen Welt auftun. Für ihn ist die gedruckte Tageszeitung mittlerweile eine Art Wellness-Produkt. Manche Leute nennen diese Lesezeit Quality-Time. Technische Geräte, welche Nachrichten per Mail, Whatsapp und anderen Messenger-Diensten empfangen können, sind heute die gefährlichsten Konzentrationskiller. Ständig fordern sie mit unterschiedlichsten Signaltönen unsere Aufmerksamkeit und lenken uns vom Wesentlichen ab.

Das tut eine gedruckte Zeitung nicht. Welch ein Glück! Was für ein Vorteil!

Algorithmen sind die treuen Vasallen der Herrscher in der digitalen Welt und sie nehmen die Leser digitaler Inhalte unmerklich in Gefangenschaft. Nicht grausam in einer dunklen Gefängniszelle, sondern in einer weichgespülten und gemütlichen Filterblase, die uns eine Welt vorgaukelt, wie wir sie uns wünschen. Hier entwickelt die klassiche Zeitung auf Papier einen grandiosen, unschlagbaren Vorteil und Nutzen, denn in ihr kann man lesen, was hoffentlich die besten Redakteure und Journalisten der Region gewissenhaft recherchiert und miteinander in Zusammenhang gebracht haben. Ohne Rücksicht auf Parteien und Anzeigenkunden.

Ganz besonders clevere Redakteure stellen sicher, dass ihre Inhalte nicht in den (a)sozialen Netzwerken geteilt und verbreitet werden, denn was nichts kostet ist nicht nur nichts wert, sondern findet sich bei Facebook und Co. mitten in Fake News und Hass-Kommentaren wieder. Künftige Abonnenten werden so nicht erreicht, dafür Überschriftenleser und frustrierte Social-Media-Wutbürger.

Man muss nicht zum digitalen „Fortschrittsverweigerer“ mutieren, um die gewaltigen Gefahren der digitalen Welt zu sehen. Wer diese jedoch erkennt, weil er sich damit ernsthaft auseinandersetzt, sieht auch die enormen Chancen, welche noch immer in einer klassisch gedruckten Zeitung stecken. Sie ist die augenfreundlichste Alternative zu Fake-News, Hass-Kommentaren und Oberflächlichkeit. Sie ist längst nicht mehr der schnellste Weg der reinen Informationsbeschaffung, aber Sie ist der beste Weg sich in Ruhe mit einer Sache zu beschäftigen, sich die Zusammenhänge zu erschließen und unsere komplexe Welt zu verstehen. Vorausgesetzt die Zeitung wurde von echten Profis gemacht, gedruckt und zugestellt.

Im Schaufenster einer Düsseldorfer Buchhandlung las ich vor einigen Jahren auf einem Plakat: “Lesen gefährdet die Dummheit!” ich aktualisiere es heute so: “Analoges Lesen gefährdet die Dummheit, schützt vor Kurzsichtigkeit im wörtlichen und übertragenen Sinne!”.

Totgesagte leben länger. Es lebe Print!

Jetzt mit biologisch abbaubarer Atombombe fürs Alter vorsorgen

Die auf meinem Ausweis abgedruckte Wohnanschrift ist schon seit vielen Jahren eine rein theoretische Angabe, denn mein Hauptwohnsitz sind ICE und Hotel. Wenn ich von meinen morgendlichen Laufrunden an Rhein, Main, Isar & Co ins Hotel zurückkehre habe ich um die Stille aus dem einsamen Hotelzimmers zu vertreiben ein Ritual entwickelt: das Morgenmagazin von ARD und ZDF einschalten. Werden dann die aktuellen Sportnachrichten von Annika Zimmermann überbracht, erhellen sich selbst graue Herbsttage.

Kürzlich erreichte mich über diesen öffentlich rechtlichen Einstieg in den Tag die außerordentlich frohe Botschaft, dass es jetzt nachhaltiges Einweggeschirr gäbe. So eine grandiose Nachricht, welche zweifellos die Rettung unseres geschundenen Planeten bedeuteten muss, wurde in Form eines Testberichts aus dem ehemaligen Berliner „Grill-Eldorado“, dem Tierpark, ins morgendliche Deutschland ausgestrahlt. Eine Gruppe junger studentischer Nachhaltigkeitsexperten, hatte sich zum Picknick versammelt um diese neue unter anderem aus Palmenblättern hergestellte Errungenschaft der modernen Menschheit auf Herz und Nieren zu prüfen.

So war zu erleben, wie sich junge urbane Wohlstandsmenschen mit der S-Bahn auf den beschwerlichen Weg von ihrer zentral gelegenen Wohnung in die grüne Lunge der Stadt begaben. Nach fünfzehnminütiger Anreise mit der S-Bahn, ließen sie sich zum Picknick auf dem Rasen nieder. Bei einer gefährlichen und vor allem so anstrengenden Anreise hatte sich das neue, ultraleichte und nur „One-Way“ zu transportierende Einweggeschirr schon erstmalig bewährt. Es wäre ja nicht auszudenken gewesen Mehrweggeschirr und Besteck, egal aus welchem Material, im Picknickkorb hin und danach zurück zu schleppen. Entsprechend euphorisch fiel auch nach kurzem Test die Bewertung der revolutionären Nachhaltigkeits-Produkte aus: 

5 Sterne für Wegwerfbecher und Einwegteller aus Palmenblättern. Selbstredend wurde auch das Plastikbesteck mit 5 Sternen bewertet, weil es neuerdings biologisch abbaubar sei.

Was nicht extra erwähnt wurde und deshalb hole ich es hier nach:

5 Sterne für ein weiter so wie bisher!

5 Sterne für unser grün-gewaschenes Gewissen!

5 Sterne für sinnlose Verschwendung, die nun endlich einen grünen Anstrich erhält!

Fragen nach dem Energieaufwand bei der Produktion von biologisch abbaubarem Einwegbesteck, Fragen nach Transportwegen und dem Zeitraum, bis aus Messer, Gabel und Löffel Blumenerde werden, wurden weder gestellt noch beantwortet. Woher kommen die Palmenblätter für diese angeblich so nachhaltigen Öko-Wunderteller? Wurde vielleicht sogar wertvoller Regenwald gerodet, um die Palmenplantage anzulegen? Und wer beamt dieses Ökomaterial Co2 neutral zu uns nach Deutschland?

Plastik steht auf der gleichen Stufe mit Glyphosat. Plastik ist böse. Wer es nicht pauschal verteufelt, muss selbst des Teufels sein.

Ich gehöre dazu, denn als vor 25 Jahren meine älteste Tochter noch ein kleines Kind war, erwarb ich bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus buntes Plastikgeschirr, also aus heutiger Sicht betrachtet, verachtenswertes Teufelszeug. Die bunten Becher und die Teller in Blütenform sowie das dazugehörige Plastikbesteck haben uns all die Jahre immer wieder auf Wanderungen und Picknicks treu gedient. Es wurde nach Gebrauch eingepackt, zu Hause gereinigt und bis zum nächsten Ausflug im Schrank verstaut. Die reichlich vorhandenen Gebrauchsspuren interpretierten wir kurzerhand zum „Vintage Style“ um. Kaum etwas ist unsinniger als Einweggeschirr.

Kürzlich lud „Mister Slowhand“ Eric Clapton zum Konzert in die Berliner Mercedes Benz Arena. Mein bester Freund und ich waren selbstverständlich dem Ruf des großen Meisters gefolgt. Es war ein heißer Sommertag und so genehmigten wir uns kurz vor Konzertbeginn ein kühles Bier. Üblicherweise trinkt man bei derartigen Ereignissen den Gerstensaft und andere Flüssigkeiten aus Mehrwegplastikbechern, auf welche ein Pfand erhoben wird. Nicht so in der Arena, welche den Namen dieser sauberen deutschen Autos trägt. Hier wurde Bier aus Grevenstein in Nordrhein Westfalen in einem Einwegplastikbecher kredenzt. Mein Protest, Bier nicht aus einem solchen „Sinnlos-Becher“ trinken zu wollen, wurde mit drei Worten im Keime erstickt:

Maisstärke! Biologisch! Abbaubar!

Doch wie wird „Bioplastik“ abgebaut? Wie lange dauert das und zu welchen Stoffen „zerfällt“ das grüne „Harry-Potter-Zauber-Plastik“? Die Antwort besudelt unser eben noch grüngewaschenes Gewissen mit einer stinkenden Schlamm-Lawine, denn bei der Zersetzung von Bioplastik entsteht vor allem Co2. Was uns hier als unglaublich fortschrittliche Innovation verkauft wird ist purer Betrug.

Etwa bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden Kunststoffe fast ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Erst seit Ende des Zweiten Weltkriegs nutzt man in der Kunststoffherstellung fossile Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas. Die heutigen biobasierten Kunststoffe werden wie schon vorm Krieg aus Stärke hergestelllt. Diese wird aus Mais und Kartoffeln gewonnen.

Der urbane Wohlstandsmensch kann es sich kaum vorstellen, aber dafür braucht es zusätzliche Ackerflächen, diese müssen mit Technik wie zum Beispiel dieselfressenden Traktoren bewirtschaftet werden. Der Mais wurde mit großer Sicherheit gentechnisch verändert und damit alles schön schnell und von Unkraut unbehelligt wächst, kommt jede Menge böses Glyphosat zum Einsatz.

Sogenannte Bioplastik ist also nicht mehr als eine wunderbare Mogelpackung mit der sich der oberflächliche Wohlstandskonsument sein Gewissen in eine Bio-Gewissen umdekorieren darf. Bei der Kompostierung zerfallen viele biologisch abbaubare Kunststoffe nur unter den definierten Bedingungen von industriellen Kompostierungsanlagen, welche für diese Prozesse selbstverständlich auch wieder Energie verbrauchen. 

Im besten Fall wird so nach zwei Jahren aus Bioplastik Co2 und ein bisschen Wasser. Wer das grüne Wunderplastik auf seinen Komposthaufen wirft, braucht Geduld, da hier andere Feuchte- und Temperaturbedingungen herrschen und sie sich hier gar nicht oder nur mit einer deutlich längeren Zerfallszeit zersetzen. Es ist in der Natur so ziemlich alles “biologisch” abbaubar, es ist nur eine Frage der Zeit. Zum Beispiel Jod-131 hat eine Halbwertszeit von acht Tagen. Plutonium-239 zerfällt in 24.390 Jahren und bei Uran-235 dauert es etwas länger, nämlich so um die 4,47 Milliarden Jahre.

“Unabbaubar” scheint nur die Dummheit des mordernen, der Natur entfremdeten Wohlstandsmenschen zu sein. Wer sich also Bioplastik oder andere sogennante nachhaltige Verpackungsmaterialien bereitwillig als einfache Lösung zur Klima- und Umweltrettung unterjubeln lässt, kann auch mit biologisch abbaubaren Atombomben fürs Alter vorsorgen.

Nachdem die US-Amerikanische Bomberbesatzung reichlich gefrühstückt und einen Gottesdienst besucht hatte, machte sie sich am 6. August 1945 auf den Weg in Richtung Hiroshima. Einer strategisch völlig bedeutungslosen Küstenstadt im Südwesten Japans. Dort zündeten sie 600 Meter über der Stadt mit 350.00 Einwohnern die erste Atombombe, welche 140.000 Menschen das Leben kostete. 70 Jahre später ist Hiroshima ein beliebter Urlaubsort mit 1,187 Millionen Einwohnern.

Wer diesen Ausflug nach Hiroshima im Zusammenhang mit in Bioplastik verpackten Bio-Äpfeln für zynisch und unpassend hält sollte vorsichtig sein und zunächst sein Aktien- und Fonds-Depot überprüfen. Im März 2018 las ich in der Süddeutschen Zeitung, dass auch deutsche Finanzinstitute immer mehr Geld in Firmen investieren, die an der Produktion von Atomwaffen beteiligt sind. Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Anti-Atom-Kampagne Ican kam im Rahmen einer Studie zu dem Ergebnis, das zwischen 2014 und 2017 weltweit 525 Milliarden Dollar in Atomwaffen-Produzenten durch Banken investiert wurden. 10 Milliarden Dollar kamen aus Deutschland. Der Ican-Studie zufolge wurden 6,6 Milliarden von der Deutschen Bank, 1,2 Milliarden vom Investmentbereich der Allianz und 1,03 Milliarden Dollar durch die Commerzbank in Atomwaffenhersteller investiert. Ican zufolge schlug 2017 auch die genossenschaftliche DZ Bank mit 470 Millionen Dollar im Geschäft mit Atomwaffenherstellern zu. Allein 404 Millionen Dollar flossen in Northrop Grumman, einem US-Rüstungshersteller, der unter anderem Interkontinental-Raketen für das US-Atomwaffenarsenal herstellt. Es wurde auch Anlegergeld aus Publikumsfonds in diese Geschäfte investiert. So könnte es also sein, dass wir unsere Altersvorsorge über atomare Massenvernichtungswaffen aufbauen. So oft können wir in tausend Jahren gar nicht in den Bio-Supermarkt gehen, um Unser Gewissen wieder strahlend grün zu waschen.

Die Botschaft ist einfach.

Die Erhaltung unseres wunderbaren Planeten wird nicht an der Wahlurne und auch nicht im Bio-Markt entschieden. Wer uns die Rettung unserer wundervollen Erde über ein “Weiter so”, nur eben mit grünen Bio Produkten, grünen Technologien und Elektro-Autos verspricht, belügt und betrügt uns. Und wir machen mit, wenn wir es nicht durchschauen wollen oder können.

Es ist scheißegal, ob wir uns einen Ökostrom-Traif buchen mit dem wir uns mit in paar Cent extra unser Gewissen reinwaschen, entscheidend bleibt unser Stromverbrauch. Es ist scheißegal, ob wir versuchen unser Gewissen mit Bioplastik reinszuwaschen. Der unverpackte Apfel, die unverpackte Gurke und der Mehrwegeinkaufsbeutel hätten es auch getan.

Der Kreislauf des Lebens führt hin bis zu unserer Altersvorsorge, denn wir müssen entscheiden, wen wir unser Geld anvertrauen und ob unsere Altersvorsorge nur uns persönlich nützt und womöglich dem Rest der Welt schadet. Wenn wir alle, die auf Facebook, Instagram & Co verschwendete Zeit zusammentragen und ins Erkennen globaler und natürlicher Zusammenhänge investieren, dann ist alles möglich. 

Sogar die Erhaltung unseres wundervollen blauen Planeten.

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